Unter­nehmens­nachfolge finanzieren ohne Eigenkapital: Ihre Möglichkeiten im Überblick

unternehmensnachfolge finanzierung ohne eigenkapital

Das Wichtigste in Kürze

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Unternehmensnachfolge ganz ohne Eigenkapital ist selten realistisch, die Eigenkapitalquote lässt sich aber durch Fördermittel, Verkäuferdarlehen und Beteiligungskapital deutlich senken.
  • Die KfW unterstützt Nachfolgerinnen und Nachfolger unter anderem mit dem ERP-Gründerkredit StartGeld, der ohne eigene Mittel beantragt werden kann.
  • Eine überzeugende Bankfinanzierung entsteht meist aus einer Kombination mehrerer Bausteine, nicht aus einer einzelnen Lösung.

Die Inhalte dieses Beitrags sind nach bestem Wissen erstellt, ersetzen jedoch keine individuelle rechtliche und steuerliche Beratung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben wird keine Gewähr übernommen. Für eine Bewertung Ihrer individuellen Situation wenden Sie sich bitte direkt an unsere Kanzlei.

Die Finanzierung einer Unternehmensnachfolge ohne Eigenkapital ist für viele Übernehmerinnen und Übernehmer die größte Hürde auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Banken verlangen traditionell einen Eigenanteil am Kaufpreis, doch dafür gibt es heute mehrere praxiserprobte Alternativen.

Als Kanzlei für Nachfolgeplanung und Beratung in Freiburg begleiten wir Übernehmer und Übergeber dabei, eine tragfähige Finanzierungsstruktur zu entwickeln, die auch mit wenig oder keinem eigenen Kapital funktioniert.

Warum verlangen Banken bei einer Unternehmensnachfolge normalerweise Eigenkapital?

Banken sichern sich mit einem Eigenanteil des Käufers gegen das Ausfallrisiko ab. Klassisch werden bei einer Firmenübernahme zwischen 10 und 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital erwartet, je nach Branche, Kreditinstitut und Bonität des Nachfolgers. Je höher der Eigenanteil, desto geringer das Risiko für die Bank und desto einfacher die Kreditzusage.

Fehlt dieser Anteil vollständig, müssen andere Sicherheiten oder Risikoübernahmen an seine Stelle treten. Genau hier setzen die im Folgenden beschriebenen Instrumente an. Sie ersetzen das klassische Eigenkapital wirtschaftlich, ohne dass der Nachfolger eigenes Vermögen einbringen muss.

Ist eine Unternehmensnachfolge komplett ohne Eigenkapital möglich?

Eine Übernahme vollständig ohne jeden Eigenkapitalanteil ist die Ausnahme und setzt in der Regel eine sehr gute Bonität, ein überzeugendes Geschäftsmodell und eine stabile Ertragslage des zu übernehmenden Unternehmens voraus. Realistischer ist es, die Eigenkapitallücke durch andere Bausteine zu schließen, etwa durch ein Verkäuferdarlehen oder eine Förderung der KfW.

Auch Banken selbst raten davon ab, eine Übernahme ganz ohne wirtschaftliche Eigenbeteiligung zu strukturieren, da dies die Risikoverteilung zwischen den Beteiligten verschiebt. Wird beispielsweise ein Verkäuferdarlehen als nachrangiges Darlehen gewährt, erkennen viele Banken dieses wirtschaftlich als eigenkapitalähnliches Mittel an, auch wenn kein Cent eigenes Geld geflossen ist.

Welche Fördermittel der KfW helfen bei fehlendem Eigenkapital?

Die KfW bietet mehrere Programme, die speziell auf Existenzgründer und Unternehmensnachfolger zugeschnitten sind und ohne eigenes Kapital beantragt werden können. Der ERP-Gründerkredit StartGeld erlaubt eine Finanzierung von bis zu 200.000 Euro für Investitionen und Betriebsmittel, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel, wobei die KfW 80 Prozent des Kreditrisikos übernimmt (Stand: Juli 2026). Dadurch sind Hausbanken auch bei geringen Sicherheiten eher bereit, das Vorhaben zu finanzieren.

Für größere Vorhaben kommt der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge in Betracht, mit dem sich bis zu 35 Prozent eines Vorhabens und maximal 500.000 Euro finanzieren lassen. Die Hausbank kann dabei durch eine Garantie einer Bürgschaftsbank in erheblichem Umfang vom Kreditausfallrisiko entlastet werden, die genaue Deckungsquote richtet sich nach dem jeweiligen Programm und der Entscheidung der Bürgschaftsbank im Einzelfall. Beide Programme werden über die Hausbank beantragt, nicht direkt bei der KfW.

Die genannten Förderbeträge und Konditionen entsprechen dem aktuellen Stand der KfW-Programme zum Redaktionsschluss dieses Beitrags. Da die KfW ihre Förderrichtlinien regelmäßig anpasst, sind für Ihre Antragstellung stets die jeweils aktuellen KfW-Programmübersichten maßgeblich.

Wie funktioniert ein Verkäuferdarlehen als Ersatz für Eigenkapital?

Beim Verkäuferdarlehen stundet der Übergeber dem Nachfolger einen Teil des Kaufpreises und stellt ihm diesen Betrag als Darlehen zur Verfügung. Der Nachfolger zahlt also nicht den gesamten Kaufpreis sofort, sondern begleicht einen Teilbetrag über mehrere Jahre aus den laufenden Erträgen des Unternehmens.

Entscheidend für die Anerkennung als wirtschaftliches Eigenkapital ist meist die Nachrangigkeit: Das Verkäuferdarlehen wird gegenüber dem Bankkredit zurückgestellt und im Falle einer Krise erst nach der Bank bedient. Diese Konstruktion signalisiert der finanzierenden Bank, dass der Übergeber selbst an den Erfolg der Nachfolge glaubt, und verbessert die Chancen auf eine zusätzliche Bankfinanzierung erheblich.

Welche Rolle spielen Bürgschaftsbanken bei der Nachfolgefinanzierung?

Bürgschaftsbanken übernehmen einen Teil des Ausfallrisikos gegenüber der finanzierenden Bank, wenn dem Nachfolger eigene Sicherheiten fehlen. Dadurch wird das Risiko für die Hausbank spürbar reduziert, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöht, selbst wenn der Nachfolger kein Eigenkapital einbringen kann.

Die Beantragung einer Bürgschaft erfolgt in der Regel gemeinsam mit dem Kreditantrag bei der Hausbank, die die Unterlagen an die zuständige Bürgschaftsbank des jeweiligen Bundeslandes weiterleitet. Für die Nachfolgeplanung in Freiburg und der Region ist dies häufig ein sinnvoller Baustein, um eine Finanzierungslücke zu schließen, ohne private Sicherheiten des Nachfolgers zu belasten.

Was ist Mezzanine-Kapital und wie hilft es Nachfolgern ohne Eigenmittel?

Mezzanine-Kapital bezeichnet Finanzierungsformen, die wirtschaftlich zwischen Eigenkapital und Fremdkapital stehen, etwa stille Beteiligungen oder Nachrangdarlehen von Beteiligungsgesellschaften. Diese Mittel werden dem Nachfolger zur Verfügung gestellt, ohne dass die Kapitalgeber aktiv in das Tagesgeschäft eingreifen.

Mittelständische Beteiligungsgesellschaften und teilweise auch Business Angels stellen solche eigenkapitalähnlichen Mittel bereit und bringen häufig zusätzlich fachliches Know-how und ein Netzwerk mit ein. Für die Bank wirkt Mezzanine-Kapital risikomindernd, da es im Rang hinter dem klassischen Bankkredit steht und damit ähnlich wie Eigenkapital puffert.

Wie kann eine Earn-Out-Regelung die Finanzierungslücke schließen?

Bei einer Earn-Out-Regelung wird ein Teil des Kaufpreises variabel gestaltet und richtet sich nach der künftigen Ertragskraft des Unternehmens. Der Übergeber trägt damit einen Teil des unternehmerischen Risikos nach der Übergabe mit, während der Nachfolger nicht den vollen Kaufpreis sofort aufbringen muss.

Diese Struktur eignet sich besonders, wenn Käufer und Verkäufer sich über den genauen Unternehmenswert nicht vollständig einig sind, da der endgültige Preis erst über mehrere Jahre feststeht. In Kombination mit einem Verkäuferdarlehen und einer Förderung der KfW lässt sich so eine Finanzierung realisieren, die kaum eigenes Kapital des Nachfolgers erfordert.

Welche Rolle spielen Beteiligungsgesellschaften bei der Übernahme?

Beteiligungsgesellschaften investieren als Minderheits- oder auch als Mehrheitsgesellschafter in das zu übernehmende Unternehmen und stellen dem Nachfolger dadurch eigenkapitalähnliche Mittel zur Verfügung. Da diese Gesellschaften selbst wirtschaftlich etabliert sind, können sie neben dem Kapital auch strategische Beratung und Kontakte einbringen.

Für den Nachfolger bedeutet dies zwar eine Beteiligung eines Dritten am Unternehmen, gleichzeitig aber Zugang zu Mitteln, die er sonst nicht aufbringen könnte. Die konkrete Ausgestaltung der Beteiligung, etwa Mitspracherechte oder eine spätere Rückführung der Anteile, sollte vertraglich klar geregelt werden, bevor das Kapital fließt.

Wie stellen Nachfolger eine überzeugende Finanzierungsstruktur zusammen?

Eine tragfähige Finanzierung ohne eigenes Kapital entsteht fast immer aus einer Kombination mehrerer Bausteine: einem Förderkredit der KfW, einem Verkäuferdarlehen, gegebenenfalls einer Bürgschaft und in manchen Fällen zusätzlichem Mezzanine-Kapital. Wichtig ist, dass die einzelnen Bausteine aufeinander abgestimmt sind und der Bank ein schlüssiges Gesamtbild vermitteln.

Ein detaillierter Businessplan mit realistischen Umsatz- und Liquiditätsprognosen ist dabei die Grundlage jeder Finanzierungsanfrage. Er zeigt der Bank, dass der Nachfolger das Unternehmen und seine wirtschaftlichen Zusammenhänge verstanden hat, auch wenn kein eigenes Kapital vorhanden ist.

Was sollten Nachfolger vor dem Bankgespräch beachten?

Vor dem ersten Gespräch mit der Hausbank sollte der Nachfolger den Kapitalbedarf für die Übernahme genau kalkulieren und dabei auch Nebenkosten wie Beratungs- und Notarkosten berücksichtigen. Eine übersichtliche Darstellung, welche Finanzierungsbausteine bereits gesichert sind und welche noch offen sind, erleichtert der Bank die Einschätzung des Vorhabens erheblich.

Hilfreich ist außerdem, frühzeitig zu klären, ob der Übergeber zu einem Verkäuferdarlehen bereit ist und ob eine fließende Übergabephase mit Übergangsbegleitung möglich ist. Banken bewerten eine geplante Übergabe mit persönlicher Kontinuität des bisherigen Inhabers häufig positiver als einen abrupten Wechsel.

Fazit

Eine Unternehmensnachfolge ohne eigenes Kapital zu finanzieren ist anspruchsvoll, aber mit der richtigen Kombination aus Fördermitteln, Verkäuferdarlehen und weiteren Bausteinen in vielen Fällen realistisch umsetzbar. Wir von KFK-Partner entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine Finanzierungsstruktur, die zu Ihrer individuellen Situation passt.

→ Vereinbaren Sie ein Erstgespräch und lassen Sie uns Ihre Möglichkeiten besprechen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Eigenkapital brauche ich normalerweise für eine Unternehmensübernahme?
Klassisch werden zwischen 10 und 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital erwartet. Mit Fördermitteln, Verkäuferdarlehen oder Mezzanine-Kapital lässt sich dieser Anteil jedoch deutlich reduzieren.
Ja, das Programm richtet sich ausdrücklich auch an Unternehmensnachfolger und kann ohne eigene Mittel beantragt werden, sofern die Fördervoraussetzungen erfüllt sind.
Dann kann eine zusätzliche Bürgschaft, ein höheres Verkäuferdarlehen oder die Einbindung einer Beteiligungsgesellschaft die fehlende Sicherheit ausgleichen. Wir prüfen mit Ihnen gemeinsam, welche Kombination realistisch ist.
Ein Verkäuferdarlehen birgt ein gewisses Ausfallrisiko, da der Übergeber bis zur vollständigen Rückzahlung am wirtschaftlichen Erfolg des Nachfolgers beteiligt bleibt. Eine sorgfältige vertragliche Ausgestaltung reduziert dieses Risiko deutlich.
Je nach Komplexität und Anzahl der beteiligten Finanzierungsbausteine sollten mehrere Monate für Planung, Antragstellung und Bankgespräche eingeplant werden.
Die Haftungsfragen hängen von der gewählten Rechtsform und der konkreten Finanzierungsstruktur ab. Wir klären dies gemeinsam mit Ihnen vor Unterzeichnung der Verträge.
Ja, bei einem sogenannten Management-Buy-Out helfen dieselben Instrumente wie Fördermittel, Verkäuferdarlehen und Beteiligungskapital, um die fehlenden Eigenmittel auszugleichen.
Üblich sind ein Lebenslauf, ein Businessplan mit Kapitalbedarfsplan sowie Angaben zu Sicherheiten und gegebenenfalls vorhandenem Eigenkapital.
Ob und in welchem Umfang sich verschiedene KfW-Programme miteinander kombinieren lassen, richtet sich nach den jeweiligen Förderrichtlinien und ist nicht einheitlich geregelt. In der Praxis lässt sich ein KfW-Förderkredit aber gut mit einem Verkäuferdarlehen, einer Bürgschaft oder Beteiligungskapital kombinieren. Die genauen Kombinationsmöglichkeiten klären wir gemeinsam mit Ihrer Hausbank.
Ja, als international vernetzte Kanzlei begleiten wir auch grenzüberschreitende Nachfolgen, insbesondere mit Bezug zur Schweiz, und arbeiten dabei mit lokalen Partnerkanzleien zusammen.

Ihr Ansprechpartner

Tobias F. Faller

Partner, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

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