Familiengesellschaften & Angehörigenverträge

Nachfolge strategisch planen – Vermögen langfristig sichern

Familiengesellschaft: Mehr als ein Steuersparmodell

Familiengesellschaften – auch als „Familienpools“ bekannt – sind ein strategisches Instrument zur Vermögensnachfolge und Vermögenssicherung innerhalb der Familie. Sie bündeln Immobilien- und Unternehmenswerte und ermöglichen eine langfristig steueroptimierte Vermögensübertragung. Dabei bleibt der Einfluss des Übertragenden oftmals erhalten – z. B. über Nießbrauchsrechte oder Stimmrechtsregelungen im Gesellschaftsvertrag.

Typische Vorteile auf einen Blick

  1. Schutz vor ungewollter Veräußerung (Vinkulierung/Gesamthandbindung)
  2. Flexible Gewinnverteilung (abweichend von Beteiligungsquoten)
  3. Erhalt von Kontrolle über Vermögen durch spezielle Satzungsregelungen
  4. Nutzung von Freibeträgen über Generationen hinweg (Schenkungsteuer-Freibeträge alle 10 Jahre)
  5. Vermeidung von Aufteilungsproblemen bei heterogenem Vermögen (z. B. mehrere Immobilien)
  6. Disziplinierende Wirkung durch klare Regelungen im Gesellschaftsvertrag
  7. Steuerfreier Vermögenszuwachs bei Entschuldung oder Wertsteigerung im Gesellschaftsvermögen
  8. Notarkostenersparnis bei hohen Immobilienwerten durch gegenstandsgleiche Einbringung (§ 109 GNotKG)

Gesellschaftsvertrag: Die Grundlage für Anerkennung und Sicherheit

Das Herzstück jeder Familiengesellschaft ist der Gesellschaftsvertrag. Er regelt nicht nur die Rechte und Pflichten der Gesellschafter, sondern ist auch maßgeblich für die steuerliche Anerkennung durch das Finanzamt.

Erforderliche Mindestinhalte

  1. Beteiligungsquoten und Stimmrechte
  2. Gewinnverteilung (fremdvergleichsfest)
  3. Entnahmerechte
  4. Nachfolgeregelungen (z. B. Ausschluss von Schwiegerkindern)
  5. Abfindungsregelungen bei Ausscheiden
  6. Rückforderungsrechte und Nutzungsvorbehalte

Sonderfall Minderjährige
Eine Beteiligung ist möglich, erfordert aber familiengerichtliche Genehmigung und ggf. Ergänzungspflegschaft. Die Rechte der Kinder müssen wirtschaftlich sinnvoll ausgestaltet sein (z. B. angemessene Verzinsung nicht entnommener Gewinne).

 

Gestaltungsmöglichkeiten und steuerliche Hebel

Dreh- und Angelpunkt ist die Wahl der passenden Rechtsform. Je nach Zielsetzung – z. B. Vermögensverwaltung vs. betriebliches Halten – bieten sich unterschiedliche Modelle an:

Rechtsform Vorteile Hinweise
eGbR Formfrei, flexibel, keine Buchführungspflicht Ab 2024 eintragungsfähig – volle Verkehrsfähigkeit, aber auch Einsicht durch Dritte
Vermögensverwaltende KG Haftungsbegrenzung, klare Trennung Komplementär/Kommanditist Optimal bei Beteiligung Minderjähriger
Entprägte GmbH & Co. KG Kombiniert Haftungsbegrenzung mit transparenter Besteuerung Kein Gewerbebetrieb, keine GewSt
Gewerblich geprägte GmbH & Co. KG Betriebsvermögen möglich, § 6b EStG nutzbar Bilanzierung und GewSt-Pflicht
GmbH Volle Haftungsabschirmung Satzungsstrenge, Publizitätspflichten, hohe Folgekosten

 

Steuerliche Behandlung: Vermögen schützen, Freibeträge nutzen

Erbschaft-/Schenkungsteuer

  1. Kein besonderer Freibetrag für Familiengesellschaften – aber gezielte Nutzung der 10-Jahres-Freibeträge für Kinder und Enkel
  2. Wertminderung durch Nießbrauchsvorbehalt reduziert steuerpflichtige Bemessungsgrundlage
  3. Wertzuwächse durch Tilgung/Wertsteigerung erfolgen steuerfrei bei den beschenkten Mitgesellschaftern

Grunderwerbsteuer

  1. Einbringung in Personengesellschaften bis Ende 2026 grunderwerbsteuerfrei (§§ 5, 6 GrEStG) – bei familiärer Beteiligung
  2. Achtung: Ab 2027 drohen Gesetzesänderungen – rechtzeitig handeln!

Ertragsteuerlich

  1. Vermögensverwaltende Gesellschaften: Transparente Besteuerung (z. B. bei Vermietung)
  2. Gewerblich geprägte Gesellschaften oder GmbH: Bilanzierung, GewSt-Pflicht, § 6b EStG nutzbar
  3. Kapitalgesellschaften: Trennungsprinzip – Körperschaftsteuer auf Ebene der Gesellschaft, spätere Besteuerung bei Ausschüttung

Was Sie unbedingt beachten sollten

  1. Verträge mit nahen Angehörigen müssen fremdvergleichsfest sein (z. B. marktübliche Miete, realistische Arbeitsentgelte)
  2. Verträge müssen auch tatsächlich durchgeführt werden – z. B. pünktliche Miet- oder Zinszahlungen
  3. Gesellschaftsverträge regelmäßig prüfen und anpassen – z. B. bei Gesetzesänderungen oder Generationenwechsel
  4. Beratung einholen, bevor Immobilien, Unternehmensanteile oder größere Geldvermögen übertragen werden

Fazit

Die Familiengesellschaft ist ein intelligentes Instrument zur langfristigen Vermögenssicherung und steueroptimierten Nachfolgeplanung. Sie verbindet Kontrolle, Schutz und steuerliche Effizienz. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige, vorausschauende Gestaltung – insbesondere des Gesellschaftsvertrags.

Ihr Ansprechpartner

Philip Kary

Partner, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

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